Theaterhaus Weimar
AKTEURE DES VERSCHWINDENS
nach "L'Education sentimentale" von Gustave Flaubert

"Die romantische Liebe, (...), nun soll sie zurück kehren, tiefernst und unbesieglich. Die Lyrismen die ich mir gönnen will ! Den Bourgeois sollen sie außer sich bringen. Ich werde ihm ins Gesicht sagen, wie ein junger Mensch mit Idealen im Herzen ihn ansieht."

Auf der Heimreise von Paris in die Provinz verliebt sich der 18jährige Frederic Moreau in die um Jahre ältere Frau eines Pariser Kunsthändlers, in die melancholische Madame Arnoux. In die Metropole zurückgekehrt, sucht Frederic die Bekanntschaft mit ihr und Anschluss an die Gesellschaft, aber die erhoffte Liebesbeziehung bleibt unerreichbar. Zwischen hochfahrendem Ehrgeiz und eitlem Wahn, Entscheidungsangst und Passivität wird nicht nur Frederics Leidenschaft aufgerieben. In den Nebelschwaden der so glühend ersehnten Metropole ist ein überspannter Lebensplan kalt verdunstet.

"Flaubert dürfte einer der ersten gewesen sein", schreibt Peter Bürger in "Das Verschwinden des Subjekts", "der der Melancholie des modernen Subjekts eine ästhetische Einstellung abgewonnen hat." Theaterhaus Weimar zieht daraus Gewinn bringend das Material den Zustand des deutschen und europäischen Ostens zu erzählen. Wie ein Seismograph hat Flaubert Nervosität und Angst, Wut und Scheitern aufgezeichnet, die Menschen in Zeiten grosser Veränderung treffen. Die Trilogie "Akteure des Verschwindens" benutzt Gustave Fauberts Revolutionsroman "L`Education sentimentale" um eine handlungsunfähige Generation zu beschreiben.

In ihrer ungewöhnlichen Umsetzung verbindet die Gruppe um Janek Müller Raum- und Medieninstallationen mit Performance und subtiler, präziser Schauspielkunst. Teil 1, "Erben", eine performative Rauminstallation, überträgt Frédérics Gefühl provinzieller Isolation unmittelbar sinnlich auf die Zuschauer. Der zweite Teil "Pathos", ein Film, der in Krakau in Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen entstanden ist, erzählt in suggestiven Bildern vom Rückzug ins Private nach dem Umbruch. Teil 3 ist schließlich eine große Szene, nämlich die der Wiederbegegnung von Frédéric und Mme Arnoux nach 20 Jahren.

AKTEURE DES VERSCHWINDENS

Theaterhaus Weimar, gegründet 1996, ist seit 1999 als Veranstalter und Produzent von interdisziplinären Performance- und Medienprojekten in Weimar tätig. Neben Janek Müller gehören Susanne Hempel und Olaf Helbing zum Kern der Gruppe. Nach dem Prinzip der Reihe erarbeiten sie Projekte, die sich aufeinander beziehen und in zeitlicher Aufeinanderfolge stattfinden. Mediale Umgebungen, quasi mehrdimensionale Bühneninstallationen dienen dabei als Basis und These für die Ausbreitung und Untersuchung von Situationen zwischen Menschen und Medien.

Auch die Annäherung an "L'Education sentimentale" ist Teil einer Projektreihe. Zwischen Juni 2003 und Juni 2004 präsentierte Theaterhaus Weimar performative und filmische Entwürfe zum Thema Verschwinden. Die Reihe wurde in drei Arbeits- und Präsentationsphasen mit den Schwerpunkten "Provinz + Metropole", "Pathos + Revolution" sowie "Alter + Ekel" durchgeführt und mündete in der Trilogie "Akteure des Verschwindens".

Ein Projekt von Susann Hempel, Olaf Helbing, Janek Müller in Zusammenarbeit mit Ania Wielguczka, Jakub Palacz Bühnenbau Michael Schürer, Harald Wagner Öffentlichkeitsarbeit Tobias Drapp Assistenz/Krakow Pawel Paszko Matyia Ton/Krakow Marcin Gagola Produktion Theaterhaus Weimar e.V. Koproduktion Hebbel am Ufer Berlin, Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Theatergenossenschaft Laznia Krakow Gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes, Stiftung Kulturfonds, Freistaat Thüringen, Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
FFT Juta, 03., 04. & 05. März 2005, jeweils 20:00 Uhr, 15 €, erm. 8 €