Es brennt

Jo Fabian / FFT / Theater an der Ruhr

8.2. | FFT Juta | 20 Uhr A
9.2. | FFT Juta | 20 Uhr A
10.2. | FFT Juta | 20 Uhr A

Frei nach Motiven aus MARIO UND DER ZAUBERER von Thomas Mann

„Mario und der Zauberer“ gehört zu den meistgelesenen Werken Thomas Manns. Die Inszenierung von Jo Fabian hinterfragt und übersetzt die thematischen Motive der 1930 erschienenen Novelle in eine bildhafte, sinnliche Versuchsanordnung. Der sprachlich herausragende Text weist über die ihm immer wieder zugeschriebene Vorahnung des Faschismus hinaus. Thomas Mann beschreibt die Manipulationsbereitschaft des Menschen als eine Grunddisposition: „Die Freiheit existiert, und auch der Wille existiert; aber die Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere.“
Die subjektive Alltagswahrnehmung ist eine andere. Wir glauben, selbstbestimmt und individuell zu handeln. Aber die Erkenntnisse der Psychologie, der Genforschung und in jüngster Zeit vor allem der Neurobiologie stellen die Vorstellungen von Autonomie und Selbstverfügbarkeit des Menschen zunehmend weiter in Frage. Wir tun nicht, was wir wollen, wir wollen, was wir tun, lautet das erschreckende Fazit einiger Neurobiologen. Löst sich der ohnehin schmale Freiheitsraum im medialen Dauerfeuer einer totalen Konsumgesellschaft endgültig auf? Sind wir verantwortlich für unser Tun, wenn wir nicht viel mehr als eine programmierbare Oberfläche sind?

„Angereichert mit Underground-Klängen und Choreografien. [...] Gespickt mit witzigen Paradoxien werden dem Publikum nicht nur Zwangshandlungen vor Augen geführt, sondern auch Spielräume für neue Sichtweisen eröffnet. Ein Stück im besten Anarcho-Sinn, das bislang Gewohntes auf den Kopf stellt – eigenwillig und verstörend zugleich.“
(Margitta Ulbricht, WAZ, 10. November 2011)

Based on parts from MARIO UND DER ZAUBERER by Thomas Mann

Mario und der Zauberer belongs to Thomas Mann´s most read works. Jo Fabian questions the motives of this novella, published in 1930, and transforms them into a pictorial and sensual experimental set-up. The brilliant text goes even further than evoking the dangers of fascism. Thomas Mann describes the willingness of man to let himself manipulated as a basic disposition: “Freedom does exist, and even will does exist. Yet freedom of will does not exist, for a will, that aims at its freedom, plunges into a void.” Still, we believe to be masters of our own decisions. But the latest findings of neuro-biology seem to suggest that we don´t do what we want, but want what we do. It seems as if our small space of freedom is smashed by the constant attack of our consumer society.

“Enriched by underground sounds and choreographies…and packed with humorous paradoxes, the audience are not only confronted with compulsive behavior but also with playgrounds for new perspective. A work in the best anarchical sense that turns the expectations upside down – extravagant and irritating.”
(Margitta Ulbricht, WAZ, November, 10th, 2011)

Mit: Gabriella Weber, Matthias Horn, Marco Leibnitz, Thomas Schweiberer, Boris Schwiebert und Max Kroneck; Regie und Bühnenbild: Jo Fabian; Dramaturgie: Sven Schlötcke; Kostümbild: Tania da Silva; Regieassistenz: Immanuel Bartz; Requisite: Sarah Kornettka; Licht: Jochen Jahncke; Ton: Gerd Posny; Gewandmeisterin: Katharina Lautsch; Bühnenbau: Abbasali Akbarnejad, Dörthe Genatowski; Maske: Suzana Schönwald.

Gefördert durch: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Verein zur Förderung des Theater a. d. Ruhr, Leonhard-Stinnes Stiftung. Produktion: FFT Düsseldorf und Theater a. d. Ruhr.

Jo Fabian ist Regisseur, Choreograph, Autor, Bühnenbildner, Medienkünstler und Performer. Für seine Arbeiten ist die ironische Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und Gegenwart prägend. Fabian wurde bereits mit zwei Inszenierungen zum Theatertreffen nach Berlin und mit zahlreichen Aufführungen zu nationalen und internationalen Festivals eingeladen. Im Sommer 1999 wurde ihm der „Deutsche Produzentenpreis für Choreographie“ für sein bisheriges Gesamtschaffen verliehen.

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